Vor einigen Monaten las ich von einem Projekt der FU Berlin, Bienen im Flug auf freiem Feld mittels Radar zu verfolgen. Was bei Bienen geht, sollte auch bei Mücken funktionieren, weshalb ich gleich anfing eine Radar-Laser-Computer-Kombination zu konstruieren, um fortan die Mücken im Schlafzimmer entweder in FPS-Manier oder automatisch zu zerstören.
Das Projekt gab ich dann erstmal auf, als ich erfuhr, dass die Bienen durch kleine Lamettastreifen markiert werden, um ein ausreichendes Radarecho zu erzeugen. Auch ist eine Radarquelle auf dem Nachttisch nicht unbedingt schlafförderlich. Andere sind da ausdauernder und bauten, mit der Erfahrung aus dem Star Wars Projekt zur Raketenabwehr in der Reagan-Zeit, einen Prototypen einer solchen Anlage. Wenn Malaria etwas gutes hat, dann dass es die Begründung solcher Forschung liefert. Denn eigentlich wollten die sicher auch nur ‘ne coole Lightshow und den Geruch verbrannter Mücken am Morgen (wer liebt ihn nicht).
Mücken einzeln per Laser zu töten macht zwar Spaß, ist allerdings als echte Waffe gegen Malaria wohl eher sinnlos. Erfolgsversprechender ist da ein Ansatz, den unter anderem Corby-Harris e. al.1 verfolgen: durch genetische Manipulation wird die Mücke dabei malariaresistent. Es wurde ein Gen in Moskitoeier eingeschleust, dass durch eine Stoffwechselveränderung später die Infektion mit dem Malariaparasiten Plasmodium falciparum erschwert. Bei Moskitos mit zwei Exemplaren des Genes (Mücken haben, wie Menschen, zwei komplette Gensätze) wurde die Infektion sogar zu 100% verhindert. Die Idee ist, solche oder ähnlich veränderte Moskitos freizusetzen und die natürliche nicht-resistente Moskitopopulation zu verdrängen. Dies könnte gelingen. Der Malaria-Erreger schadet auch den Müken, wodurch der resistente Stamm einen evolutionären Vorteil hätte.
Wie bei jedem Mittel gegen Infektionskrankheiten stellt sich dann die Frage, ob diese Lösung dauerhaft funktionieren könnte. Die Erfolge von Bakterien, Resistenzen gegen Antibiotika zu entwickeln sind ja allseits bekannt. Evolution ist allerdings nicht allmächtig und Resistenz nicht zwangsläufig: kein Bakterium schaffte bisher den Sprung durch den Gummihandschuh, und kein Reh ist kugelresistent geworden, trotz 200 Jahren bewaffneter Jagd.
Die wirklich spannende Frage: was sagen die Gentechnikgegner? Bei Monsanto-Mais ohne verbraucherrelevanten Vorteil ist es leicht, die Masse der Bevölkerung auf seiner Seite zu haben. Bei Malaria geht es dagegen um jährlich ca. eine Million Tote. Keine Menge an Mückennetzen konnte dieses Drama bisher nennenswert eindämmen. Kann man dieses Leid aus dogmatischer Technikfeindlichkeit ignorieren? Ich freue mich schon auf die Diskussion, auch wenn sie vermutlich noch zehn Jahre Zeit hat.
Ach ja: auch diese Mücken stechen noch. Vielleicht sollte ich doch den Laser bauen, z. B. mit einer räumlichen Ortung durch drei Mikrophone?
- Corby-Harris V, Drexler A, Watkins de Jong L, Antonova Y, Pakpour N, et al. 2010 Activation of Akt Signaling Reduces the Prevalence and Intensity of Malaria Parasite Infection and Lifespan in Anopheles stephensi Mosquitoes. PLoS Pathog 6(7): e1001003. doi:10.1371/journal.ppat.1001003 ↩
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